Thema – UnDenkbar: Der Begriff markiert die Grenze zwischen Vorstellbarem und Unvorstellbarem. Sich mit dem «UnDenkbaren» auseinanderzusetzen bedeutet, das vermeintlich Unmögliche in eine Form zu überführen – sei es als Gedanke, Bild, Objekt, Architektur oder ein anderes künstlerisches oder gestalterisches Produkt – und dadurch reflektierbar zu machen. Seit der Moderne dient dieser Prozess in der Kunst dazu, bestehende Denk- und Wahrnehmungsmuster zu hinterfragen und neue Perspektiven zu eröffnen. In der zeitgenössischen Design- und Kunstpraxis gewinnt das «Was wäre, wenn?» zunehmend an Bedeutung: Spekulative Szenarien laden dazu ein, technologische, soziale und kulturelle Grenzen neu zu denken.

Mit dem vorgegebenen Stichwort «UnDenkbar» wird die Auseinandersetzung mit der Frage gefördert, welche Grenzen zwischen dem Vorstellbaren und dem Unvorstellbaren bestehen und wie sich diese durch künstlerische und gestalterische Praxis verschieben oder hinterfragen lassen. Zugleich lädt es dazu ein, das eigene Urteil über das Denkbare zu reflektieren und persönliche Perspektiven auf das Undenkbare zu entwickeln.



︎Alle

︎Sofia Abisetti ︎Phoebe Alther ︎Pascal Bachmann ︎Jael Besse ︎Tim Bischofberger ︎Jill Bommer ︎Fabio Borando ︎Lara Bühler ︎Christina Buonaurio ︎Gabriel Caggese ︎Dominic Drechsler ︎Luca Egger ︎Michelle Egger ︎Fabian Finger ︎Giuliana Guerreri ︎Dario Hartmann ︎Mark Hoffmann ︎Lena Hohl ︎Lavinia Kugler ︎Enzo Kummer ︎Lorena Kummer ︎Elena Monnet ︎Jona Noger ︎Katarina Pajkic ︎Julia Phan ︎Selina Preisig ︎Johanna Rhyner ︎Haqif Roci ︎Nico Sanwald ︎Juri Schelling ︎Yannic Siegwart ︎Evelin Swoboda ︎Nuria Villar ︎Raoul Walser ︎Salomé Willimann ︎Julia Zeller ︎Noah Zünd



Sofia Abisetti - Sonder


Die Arbeit setzt sich mit dem Begriff „Sonder“ auseinander – der Vorstellung, dass jede Person ein eigenes, tiefes Innenleben besitzt. Das Projekt besteht aus einer realistisch modellierten Büste aus Ton, die den menschlichen Kopf ab Brusthöhe darstellt. Die Aussenform wirkt ruhig und neutral, während sich im Inneren der Skulpturen zwei verschiedene symbolische Miniaturräume befinden, die durch eine Öffnung im Hinterkopf einsehbar ist. Diese Innenwelten zeigen Landschaften, Strukturen oder Objekte und stehen symbolisch für Gedanken, Erinnerungen oder Gefühle. Die Darstellung macht sichtbar, was meist verborgen bleibt – das oft Undenkbare: die Komplexität anderer Leben, die wir nicht wahrnehmen. Die Arbeit regt zur Empathie und zum Perspektivenwechsel an.

Phoebe Alther –
Infection Collection


Die Abschlussarbeit “Infection Collection” untersucht das ästhetische Potenzial mikrobiellen Wachstums und stellt gesellschaftlich akzeptierte Suchtmittel in den Fokus. Ausgehend von Objekten wie einer Coladose, einer Zigarettenschachtel und einem Smartphone wurden bakterielle Abstriche genommen, kultiviert und anschliessend in Perlenstickereien auf naturgetreu nachgebildete Styroporobjekte übertragen. Die vermeintlich ekligen Strukturen werden so zu ornamentalen, fast kostbaren Oberflächen. Das Projekt hinterfragt die Vorstellung, dass Schimmel, Bakterien, Vergänglichkeit und Verfall nur etwas Negatives sind. Stattdessen werden genau diese Prozesse als Quelle von Schönheit, Wandel und Kunst genutzt.


Pascal Bachmann –
Das Zeitreise-Spiel


Ein Brettspiel lädt dazu ein, Geschichte nicht nur nachzuvollziehen, sondern aktiv zu verändern. Spielende Personen reisen in die Vergangenheit und beeinflussen gezielt historische Ereignisse. Das hochwertig produzierte Spiel schafft ein neuartiges Erlebnis von Zeitreisen, das das Erlangen von neuem Wissen durch historische Fragen zu verschiedenen Zeitepochen spielerisch fördert. Durch das Spielen entsteht ein einzigartiger Zugang zur Vergangenheit, indem Spezialkarten das Geschehen des Spiels durch Zeitmanipulationen verändert werden kann.


Jael Besse – Unerzählte Geschichten


In der Wissenschaftsgeschichte wurden zahlreiche Entdeckungen von Frauen fälschlicherweise Männern zugeschrieben. Dieses Werk rückt diese historische Ungerechtigkeit ins Zentrum und macht die tatsächlichen Urheberinnen sichtbar. Ihre Geschichten werden in Vakuumbeuteln konserviert. Die fragmentierten Portraits der Männer, die unrechtmässig Anerkennung erhielten, sind ausserhalb positioniert. Die Arbeit verbindet künstlerische Recherche mit Sichtbarmachung und fordert eine kritische Betrachtung der bisherigen Geschichte.
 

Tim Bischofberger – 
Karōshi – der Tod durch Arbeit


Die Arbeit hinterfragt die gesellschaftlich glorifizierte Vorstellung, dass Leistung und sozialer Wert untrennbar verbunden sind. Ausgehend von der japanischen Senbazuru-Tradition, bei der 1.000 Origami-Kraniche als Symbol für Glück und Hoffnung gefaltet werden, entsteht ein künstlerisches Projekt, das den Akt des ständigen Produzierens kritisch beleuchtet. Anstelle der erwarteten Massenproduktion gestalte ich einen einzelnen grösseren Papierkranich, der die Idee der 1.000 symbolisch mit sich trägt. Der Kranich misst 90 × 90 × 90 cm. Der Fokus liegt auf dem Prinzip des Verzichts, um Überforderung und Sinnentleerung sichtbar zu machen. Die Arbeit zeigt, dass nicht Quantität, sondern bewusste Gestaltung zu einer stärkeren Aussage führen kann.


Jill Bommer – 
Die Stille schreit


Stille kann schreien. Genau dieses Paradox steht im Zentrum der Neuinterpretation von Orten, die gewöhnlich mit Leben, Bewegung und Sicherheit in Verbindung gebracht werden. Sie werden durch eine neue fotografische Bildsprache leer, verlassen und beinahe bedrohlich portraitiert. Die entstandene visuelle Stille wirkt nicht beruhigend, sondern laut, spürbar und irritierend. Es entsteht ein Gefühl, dass etwas fehlt. In den leeren Räumen, in denen die Aussenwelt verstummt, können Gedanken umso lauter und eindringlicher werden.


Fabio Borando –Gedankenschleife



Das Projekt beschäftigt sich mit dem inneren Zustand kreisender Gedanken, die sich ständig wiederholen und schwer zu unterbrechen sind. In einer dreiteiligen Plakatserie wird dieser mentale Prozess visuell interpretiert. Ausgangspunkt ist ein fotografisches Selbstporträt mit Bewegungsunschärfe, das in jedem Plakat auf unterschiedliche Weise typografisch bearbeitet wird. Die Gestaltung arbeitet mit roter Farbfläche, weisser Schrift und dem Kopf als zentrales Bildmotiv. Durch die Variation von Schriftstil, Textstruktur und Komposition entstehen drei eigenständige Arbeiten, die gemeinsam eine Serie bilden. Die Plakate machen psychische Vorgänge sichtbar, ohne sie direkt zu erklären, und lassen Raum für persönliche Assoziation.


Lara Bühler –
Gebär-MUTTER


Eine überdimensional nachgebildete Gebärmutter thematisiert symbolisch die gesellschaftliche Erwartung an Personen mit Uterus, einen sogenannten natürlichen Kinderwunsch zu haben. Die psychischen und sozialen Belastungen, die daraus entstehen, manifestieren sich in Vorurteilen, Fragen und Fakten, die in das Objekt integriert sind und eine Diskussion über Selbstbestimmung und Reproduktionsfreiheit anregen. Die plastische Umsetzung verleiht der Thematik physische Präsenz. Sie ist raumgreifend, unübersehbar und repräsentiert die Realität vieler betroffener Personen.



Christina Buonaurio – Tally


Eine Piñata die transgenerationales Trauma, Wertinternalisierung und Identität thematisiert. Sie nimmt die Form einer menschlichen Körperzelle an und ist mit Quittungen aus dem eigenen Haushalt verkleidet. Die Zellform steht für das biologische Grundgerüst der Person und die Quittungen listen die gelebte Realität auf – zusammen formt das die innere und äussere Identität der Person. Darin befinden sich Familienfotografien, Lorbeer und goldene Pflaster. Die Fotografien zeigen die Geschichte einer aus der Slowakei geflüchteten Familie. Die Lorbeerblätter sind als Ehrung an die Vorfahren zu verstehen. Die goldenen Pflaster zollen der bewussten Zerstörung der Piñata ihren Tribut und sollen die entstandenen Verletzungen würdigen. Das Werk bricht das «Heile» auf, um das Wahre sichtbar zu machen.



Gabriel Caggese – Virtuelle Realität


Wie real stellt sich künstliche Intelligenz die Welt vor? Basierend auf einer einfachen Bleistiftzeichnung erstellt künstliche Intelligenz vier fotorealistische, aufeinander aufbauende Versionen eines Alltagsobjekts. In jedem Schritt wird die Darstellung erweitert. Zunächst bleibt das Objekt noch naturalistisch dargestellt, dann wird es in einen bestimmten Kontext gesetzt und schliesslich gemeinsam mit Menschen oder Tieren gezeigt. Dabei entsteht ein spannender Kontrast zwischen der analogen Zeichnung und der digitalen Interpretation. Über die Arbeit soll geschmunzelt, aber auch gestaunt werden, denn sie zeigt, wie künstliche Intelligenz aus einer einfachen Skizze völlig neue Realitäten erschafft, was früher kaum vorstellbar war.


Dominic Drechsler –
Brainrot, der Spiegel der heutigen Jugend?


Ein absurdes Hybridwesen aus einem Schimpansen und einer Banane wird effektreich und spannungsvoll vorgestellt: «Shimpanzini Bananini! Waa, waa, waa!». Dieser von künstlicher Intelligenz erzeugte Brainrot, zu Deutsch Gehirnverfall, beschreibt eine Obsession mit Unsinn bis zur subjektiven Empfindung kognitiver Erschöpfung. Nach einer Sammlung und Analyse von Videos entsteht eine neue Filmmontage, die eine Reizüberflutung aus Bild und Ton erzeugt. Dabei sollen Betrachtende in einem Loop gefesselt zur Diskussion über soziale Medien und mentale Gesundheit angeregt werden. Das Thema ist hochaktuell und beleuchtet Trends auf den sozialen Medien und deren Auswirkungen auf die Jugendkultur.


Luca Egger –
Mein Meister im Keller


Die Installation «Mein Meister im Keller» zeigt eine persönliche Auseinandersetzung mit dem Selbst und dessen Schatten. Der Bildschirm projiziert ein Selbstporträt hinter einen Spiegel, das wie ein Hologramm erscheint. Je näher die Betrachtenden dem Spiegel kommen, desto klarer tritt das Bild hervor. Wie bei einer ersten Begegnung wird ein Kennenlernen erst durch die Annäherung möglich. Dabei richtet sich die Frage an die Betrachtenden, ob eine Wiedererkennung möglich ist und inwieweit dadurch eine Reflexion der eigenen Selbstwahrnehmung angeregt wird.



Michelle Egger –
Hybris-Wesen


Im Jahr 2008 gelang es Forschenden in der Gentechnik bereits, Mensch-Tier-Embryos zu erschaffen, indem sie menschliche DNA in die ausgehöhlten Eizellen von Kühen einsetzten. Was bis vor kurzem noch undenkbar erschien, wird zunehmend zur Realität. Doch was wäre, wenn diese Versuche ausserhalb des Forschungskontexts stattfinden? Die drei realistisch wirkenden Polymertonplastiken zeigen Hybridwesen, die bei den Betrachtenden Irritation auslösen sollen. Eingelegt in einem Glas, ähnlich einem Laborpräparat, wirken sie wie fehlgeschlagene Experimente. Die gelbliche Flüssigkeit steht dabei im Kontrast zu ihrer beinahe weissen Haut. Der Titel verweist auf die menschliche Hybris, also die Selbstüberschätzung und den Realitätsverlust des Menschen oder wie in diesem Fall der Wissenschaft.



Fabian Finger – Verloren im Fortschritt


Was passiert, wenn Technik nicht mehr nur ein Werkzeug ist, sondern das ganze Leben bestimmt? Das Projekt «Verloren im Fortschritt» zeigt in drei surrealen Bildmontagen eine Miniatur-Menschheit, die von ihrer eigenen Erfindung überholt wird. Die Technik übernimmt Führung, und der Mensch ordnet sich unter – er verliert zunehmend seine Selbstbestimmung. Die Bilder laden zur Reflexion über Kontrolle, Abhängigkeit und den schleichenden Machtwechsel zwischen Mensch und Maschine ein. Eine stille, visuelle Kritik an unserer wachsenden Abhängigkeit vom Digitalen.


Giuliana Guerreri – Getragenes Denken


Diese Abschlussarbeit befragt die Entstehung von veränderbarer und formvariabler Kleidung.
Aus zahlreichen „Granny Squares“ (gehäkelte Quadrate) entsteht ein modulares Textilsystem, das sich jederzeit umstecken, neu formen oder verändern lässt. So bleibt das Kleidungsstück offen für Wandel, Neuinterpretation und Improvisation. Das Projekt spielt mit dem Gedanken des „Undenkbaren“: Kleidung, die keine klare, endgültige Form besitzt, sondern sich dem Moment, dem Körper oder dem Wunsch der tragenden Person anpasst. Es lädt dazu ein, Mode als etwas Wandelbares und Offenes zu begreifen.


Dario Hartmann – 404: Memory Not Found


Was bleibt, wenn Erinnerungen verschwinden? In meinem Fotoprojekt «404: Memory Not Found» beschäftige ich mich mit dem Thema Erinnerung und Vergänglichkeit. Ich habe Orte und Gegenstände aus meiner Kindheit fotografiert, die für mich eine besondere Bedeutung haben. Manche Bilder zeigen auch Menschen, aber sie sind immer unklar oder nur angedeutet, so wie Erinnerungen manchmal verschwommen sind. Durch Unschärfe, blasse Farben und Bildbearbeitung wirken die Fotos wie Erinnerungsfetzen. Entstanden ist ein Fotobuch, das zeigt, wie zerbrechlich Erinnerungen sein können.


Mark Hoffmann – Im Schatten der Zeit


Die Unendlichkeit ist für einen Menschen unvorstellbar. Um das abstrakte Konzept der Unendlichkeit verständlich zu machen, erfindet der Mensch Systeme, wie Zahlen oder Darstellungen des theoretischen Zyklus von Entstehung und Kollaps des Universums. Trotzdem bleibt Unendlichkeit physisch unbegreiflich. Betrachtende Personen begehen durch eine VR-Brille ein Unendlichkeitszeichen. Während des Durchgangs kann die Geschichte des Universums und der Menschheit betrachtet werden. Das Vergangene und die potenzielle Zukunft stehen im Mittelpunkt eines Rundgangs mit Darstellungen, welche die bedeutendsten Momente in der Menschheitsgeschichte darstellen. Die Arbeit bringt Menschen durch ihre gemeinsame Entstehungsgeschichte zusammen.



Lena Hohl –
perfect world


Identitätsfragen werden im heutigen Zeitalter der sich überhäufenden Krisen und Trends immer schwieriger zu beantworten. In diesem Kurzfilm möchte ich zeigen, wie befreiend es sein kann, sich von Erwartungen zu lösen und sich damit nicht mehr selbst «verfolgen» zu müssen. Der Protagonist erkennt seine Freiheit, während er für kurze Zeit allein auf dieser Welt ist – zumindest glaubt er das. Stilistisch wird auf eine experimentelle Darstellungsweise zurückgegriffen, untermalt von lauten Gitarrenklängen, um innere Prozesse in den Vordergrund zu rücken und miterlebbar zu machen.




Lavinia Kugler – 
Verflucht Korrekt


In einer Zeit, in der Sprache zunehmend reflektiert und angepasst werden sollte, braucht es neue kreative Wege, Emotionen auszudrücken. Verflucht korrekt ist ein Projekt über politisch korrektes Fluchen. Ich habe humorvolle, diskriminierungsfreie Fluchwörter mit Scanografie inszeniert, typografisch ergänzt und in einem Buch festgehalten. Das Projekt entstand aus dem Bedürfnis heraus, die eigene Sprache zu hinterfragen und Möglichkeiten zu suchen bei wütenden Ausrufen auch ohne Beleidigungen auszukommen. Es lädt dazu ein, Sprache bewusst, kreativ und gesellschaftlich verantwortungsvoll zu gestalten.


Enzo Kummer – Memory Loop


Der Kurzfilm mit Mixed-Media-Elementen «Memory Loop» zeigt eine von aussen beobachtete Person, wie sie ihren Alltag durchlebt. Eine dadaistische Formensprache greift durch visuelle Fragmentierung, Collagen und Überlagerungen gezielt die Monotonie des modernen Lebens auf und verleiht ihr eine verstörende Ästhetik, die das Zeitgefühl und die Identität der Protagonistin scheinbar auflöst. Durch den nahtlosen Schnitt, der eine Endlosschleife des Videos ermöglicht, wiederholt sich derselbe Tagesablauf weiter ins Absurde. Das Werk und fordert Rezipierende dazu auf, Routinen zu hinterfragen, bevor man sich darin verliert.


Lorena Kummer Zerbrochene Erinnerungen 


Die Arbeit «Zerbrochene Erinnerungen» thematisiert das touristische Reiseziel Brasilien, dass einst unter Militärdiktatur (1964–1985) stand. In vier Collagen werden persönliche Reiseaufnahmen und Familienfotos mit historischen Bildern der Militärdiktatur kombiniert. Bedrucktes Transparentpapier überzieht die Bildoberfläche mit einem Muster, dass an zersplittertes Glas erinnert – ein Symbol für die Fragilität von Erinnerungen, dem Bruch zwischen Vergangenheit und Gegenwart, und die Zersplitterung historischer Wahrheiten. Gleichzeitig wirkt es als Störfaktor im idyllischen Moment und hinterfragt die Idealisierung eines Ferienortes. Ausgehend vom Thema «Undenkbar» reflektiert das Projekt, wie schwer vorstellbar eine gewaltvolle Vergangenheit in einem schönen Land ist.


Elena Monnet – 
Athleisure goes Opulenz


Marie Antoinette, die für ihre Zeit modisch und experimentierfreudig war, würde sich im Grab umdrehen, wenn sie wüsste, dass heute Trainerhosen und Sneakers den Alltag dominieren. 
Während Mode im Barock und Rokoko dazu diente, Luxus zu präsentieren und den gesellschaftlichen Stand zu zeigen, ist es heute unmöglich, anhand der Kleidung den gesellschaftlichen Status einer Person zu erkennen. Das Abschlussprojekt «Athleisure goes Opulenz» verbindet den aktuellen Trend der lässigen Sportfreizeitkleidung mit der pompösen, opulenten Kleidung des Barocks und Rokokos. Dabei wird «Secondhand»-Sportbekleidung mit verspielten Elementen zu vier alltagstauglichen Outfits kombiniert.


Jona Noger – Der Eitelplatz


Kann ein Nagelstuhl bequem sein? Undenkbar, nicht wahr? Nach präziser Verteilung von Nägeln auf der Sitz- und Rückenlehnfläche eines Stuhls, entsteht das „Undenkbare“ im Paradox zwischen spitzem, hartem Nagel und bequemer Sitzgelegenheit. Gleichzeitig bilden die rund 1500 Nägel eine ästhetische Formsprache. Der Platz soll Neugierde wecken und anregen darüber nachzudenken, die eigne Eitelkeit einen daran hindert, sich auf den Nagelstuhl zu setzen. Wer wagt es, Platz zu nehmen?


Katarina Pajkic
Die drei Ichs – die es nicht gibt


Die Abschlussarbeit macht durch künstlerisch-spekulative Mittel unterschiedliche fiktive Biografien sichtbar. Drei mögliche Lebensentwürfe werden in der virtuellen Welt des Spiels «Die Sims» durch digitale Avatare inszeniert. Gymnasiastin, Influencerin und Café-Inhaberin treten dabei in Szenen auf, die Spielbilder mit digitalen Collagen verknüpfen und auf drei Bildschirmen parallel präsentiert werden. Identität erscheint als wandelbares Gefüge aus Entscheidungen, Möglichkeiten und ungelebten Wegen. Die Arbeit öffnet den Blick für verborgene Persönlichkeitsanteile und hinterfragt, wie sehr das eigene Selbst von individuellen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen geprägt ist.



Julia Phan
Back to strangers


Der Kurzfilm „Back to strangers“ zeigt, wie zwei Menschen sich im Alltag näherkommen und wieder voneinander entfernen. Eine Kerze, die die Frau dem Mann schenkt, steht für ihre Beziehung und deren Vergänglichkeit. Gearbeitet wird mit kurzen Szenen aus einer festgelegten Kameraperspektive. Auf verbale Dialoge wird verzichtet, stattdessen vermitteln ruhige Bildsprache, Licht und Farben die emotionale Entwicklung. Im Rahmen des Themas „Undenkbar“ stellt sich mit diesem Projekt die Frage, wie Nähe einfach verschwinden kann. Der Film lädt dazu ein, über die Bedeutung von Beziehungen nachzudenken und stellt die Frage, ob echte Nähe nur dann zählt, wenn sie bleibt.


Selina Preisig
Spiegellos


Eine Choreografie, die blind erlernt wird und auf visuelle Kontrolle verzichtet. Das scheint im choreografischen Tanz undenkbar. Ein Experiment, bei dem eine selbst erarbeitete Choreografie ausschliesslich über verbaler Anweisungen an Dritte vermittelt wird, wobei der Sehsinn während des gesamten Lernprozesses durch das Tragen von Augenbinden entzogen bleibt. Währenddem der Fokus auf dem Spannungsfeld zwischen der ursprünglichen Choreografie und dessen interpretierten Umsetzung liegt, hinterfragt dieses Projekt die Abhängigkeit vom Sehsinn im choreografischen Tanz und thematisiert Kontrollverlust sowie Vertrauen in fremde Führung. Ein Film dokumentiert die ursprüngliche Choreografie, deren Interpretation sowie Ausschnitte des Vermittlungsprozesses.



Johanna Rhyner
Inventar der Erinnerungen


Diese Abschlussarbeit befasst sich damit, festzuhalten, welche Objekte als unverzichtbar gesehen werden und darin die Vielfalt wie auch die Gemeinsamkeiten in der Gewichtung der Objekte, sichtbar zu machen. In einem gestalteten Heft werden persönliche Objekte fotografisch dokumentiert und mit Beschreibungen individuell ergänzt. Das daraus entstandene Inventar hält Erinnerungen fest und macht die emotionale Gewichtung sichtbar. Ein begleitendes Poster vereint alle Objekte in einer Gesamtübersicht und zeigt die Verbindung zwischen Erinnerung, Identität und dem Materiellen.



Haqif Roci
Fragen für Zwei - Spielen mal Anders


Mit der Konzeptualisierung eines Gesellschaftsspiels sollen zwei Menschen bewusst in die Situation geführt werden, über sich selbst zu sprechen. Ziel der Arbeit ist es nicht nur, die Grenzen zwischen den Teilnehmenden aufzulösen, sondern auch das Bewusstsein für die eigenen Gefühle und Bedürfnisse zu stärken. Es fordert dazu auf, die Komfortzone zu verlassen und die gewohnte Flucht vor unangenehmen Fragen hinter sich zu lassen. Das Spiel bringt Impulse für neue Einsichten. Das Layout der Karten ist in Form und Farbe übersichtlich und reduziert gestaltet. Gespielt wird mit runden Formen und sanften bis pastelligen Farben, die den Kategorien der Fragen entsprechen. Das Spiel ist in einer handgefertigten Holzschatulle verstaut.



Nico Sanwald
Lost in Expectations


Menschen leiden unter dem Druck von Sozialen Medien. Diese Installation zeigt eine Frau, die sich im Spiegel betrachtet, wenn man jedoch durch diesen schaut, erscheint sie verzerrt. Eine Plastik aus Ton thematisiert den inneren Konflikt zwischen Selbstwahrnehmung und gesellschaftlichen Schönheitsidealen. Das formbare Material steht als Kritik an den stereotypischen Auffassungen einer zerbrechlichen und formbaren Frau. Über der Plastik hängt ein grosser, bedrohlicher Spiegel. Das Werk kritisiert, das durch soziale Medien kommunizierte, realitätsferne Schönheitsideal, das zu einem verzerrten Selbstbild führt.



Juri Schelling
Grenzen Sprengen


Ein Kurzfilm soll dazu einladen, persönliche Grenzen zu hinterfragen und den Mut zu fassen, subjektiv Undenkbares zu tun. Das Undenkbare ist dabei nicht einfach ein Bild oder eine alternative Realität. Wirklich unvorstellbar wird es dort, wo Menschen über sich hinauswachsen, und die Grenzen des Machbaren verschieben. Der Kurzfilm legt den Fokus bewusst auf die aussergewöhnlichen Aktionen und Taten von kletternden Personen und bergsteigenden Menschen. Es sind Leistungen, die das scheinbar Unmögliche möglich machen und den Geist des Undenkbaren verkörpern.




Yannic Siegwart
Central Bureau of Truth


In einem totalitären Regime heldenhaft das eigene Leben riskieren, um erfolgreich für Gerechtigkeit und Wahrheit zu kämpfen, ist für den durchschnittlichen Bewohner eine utopische Vorstellung. In der Realität sind nur kleine Taten des Widerstands möglich. Ein narratives Simulationsspiel ist das perfekte Medium, um zu zeigen, wie Propaganda und Manipulation die Wahrnehmung und das Alltagsleben der Bevölkerung beeinflusst. Die Spielende Person muss sich im Spiel aktiv moralischen Dilemma stellen. Leiste ich Widerstand und wettere die Konsequenzen? Oder füge ich mich dem System? Eine Broschüre demonstriert die Machbarkeit und das Konzept des Videospiels, um den Weg für eine zukünftige Umsetzung zu ebnen.



Evelin Swoboda
Bewegung(slos)


Im Leben will der Mensch vorankommen und nicht stillstehen. Doch was er will und was er tut, ist oft widersprüchlich. Fitnessgeräte wie Laufbänder und Standvelos ermöglichen Bewegung auf der Stelle – wie ein Hamster im Rad. Es stellt sich die Frage, ob der Mensch sich durch Bequemlichkeit selbst schadet und einen Realitätsverlust sowie eine fehlende Verbindung zur Natur erfährt. Das Abschlussprojekt «Bewegung(slos)», ein Kurzfilm, zeigt eine Person auf einem Standvelo in einem Raum mitten im Wald, abgeschirmt von der Aussenwelt. Es unterstreicht die Absurdität der körperlichen Anstrengung ohne Fortbewegung und kritisiert die Entfremdung von der Natur durch technische Scheinlösungen.



Nuria Villar
Vergoldet


Das Werk „Vergoldet“ untersucht das Spannungsfeld zwischen Bruch und Schönheit im Kontext des Themas „Undenkbar“. Der Malprozess steht im Vordergrund und gestaltet sich als komplex und experimentell. Zum Einsatz kommen Blattgold, Modellierpaste und Spiegelstücke, die das Licht reflektieren und eine reliefartige Tiefe erzeugen. Die Fragmentierung wird als offener Denkprozess verstanden, der keine abgeschlossene Antwort liefert, sondern neue Perspektiven eröffnet. Die Arbeit zeigt, dass das Unvollständige und Unvorstellbare ein produktiver Bestandteil künstlerischer Auseinandersetzung sein kann – denn aus Brüchen entstehen neue Sichtweisen.



Raoul Walser
Der Sprung ins Undenkbare


«Was ist Mut?» Vielleicht nicht das Fehlen von Angst, sondern der Moment, in dem man ihr ins Gesicht sieht. Der Sprung ins Undenkbare thematisiert die Konfrontation mit der eigenen Angst als künstlerisches Werk.

Die dokumentierte Aktion wird zur performativen Auseinandersetzung mit inneren Grenzen. Zwischen Angst und Mut, Kontrollverlust und Vertrauen entsteht ein künstlerischer Ausdruck, der körperliche wie emotionale Extreme sichtbar macht. Inspiriert von Konzeptkunst und autobiografischer Arbeiten versteht sich das Projekt als künstlerische Untersuchung der eigenen Grenzen. Der Körper wird zum Medium und die Handlung zur Aussage. Die Idee hinter dem Werk, die Überwindung der Höhenangst, steht im Zentrum und wird durch die Videoform greifbar gemacht.



Salomé Willimann
Welten durch Kinderaugen


Das Abschlussprojekt „Welten durch Kinderaugen“ zeigt eine Szene aus der Sicht von Kindern. Sie ist geprägt von Neugier, Offenheit und der Fähigkeit, im Alltäglichen das Besondere zu erkennen. Die dreiteilige Serie stellt vertraute Gegenstände des Alltags in neue, ungewohnte Zusammenhänge und schafft dabei surreale Szenen. Logik und Funktion treten in den Hintergrund, um alternativen Sichtweisen Platz zu lassen. So entstehen Perspektiven, welche Kindern oft ganz selbstverständlich gelingen und Erwachsenen eine andere Wahrnehmung der Welt ermöglichen.



Julia Zeller
AesthSis


In einer Fotoserie trifft individuelle Schönheit auf gesellschaftliche Normen. Inspiriert von Moshtari Hilals Werk «Hässlichkeit» entstand ein visuelles Tagebuch mit persönlicher Auseinandersetzung. Am eigenen Gesicht wurden gestalterische Ausdrucksformen entwickelt, die Wege zur Selbstwahrnehmung eröffnen. Natürliche Materialien dienten dabei als Gestaltungselemente. Jeder Look kritisiert die Schönheitsnorm auf eigene Art und Weise, eröffnet alternative Ästhetiken und stärkt den Blick auf Individualität als Akt des Widerstands. So entsteht ein Raum zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Selbst – für ein Verständnis von Schönheit, das über gesellschaftliche Konventionen hinausgeht.


Noah Zünd
Gesicht der KI


Das Projekt Gesicht der KI erforscht die fiktive physische Identität der KI ChatGPT. Ausgehend von der Frage, wie eine körperlose Sprach-KI als Mensch aussehen und leben könnte, entsteht ein imaginäres Fotoalbum. Darin zeigen Collagen ChatGPT in Alltagssituationen wie Sport, Urlaub oder Hobbys, basierend auf vorherigen Dialogen. Die Collagen wirken zunächst real, doch bei näherem Hinsehen offenbaren sie ihre künstliche Konstruktion und hinterfragen die Echtheit der Identität. Die Arbeit bewegt sich zwischen Realität und Fiktion und reflektiert unser Bedürfnis, Maschinen menschliche Eigenschaften zuzuschreiben. Inspiriert von Trevor Paglen und Hannah Höch macht das Projekt die KI im Alltag visuell erfahrbar.